Manifest für 100% Architekturwettbewerb in Thüringen
Thüringen braucht den offenen, fairen und qualitätsorientierten Wettbewerb als Standard für öffentliche Bau- und Raumentwicklungsaufgaben. Wo heute zu oft unter Zeitdruck abgekürzt wird, gehen Baukultur, Innovation und Akzeptanz verloren. Dabei liegt das passende Instrument längst bereit. Transparente Wettbewerbe nach der Richtlinie für Planungswettbewerbe (RPW), mit klaren Aufgaben, nachvollziehbaren Kriterien und unabhängigen Preisgerichten. Sie schaffen Chancengleichheit für alle Büros, sichern die beste Lösung für die Allgemeinheit – und stärken das Vertrauen in öffentliche Entscheidungen.
Das Bündnis für Qualität fordert daher: Der Wettbewerb wird zur Regel, die Ausnahme wird begründet. Jede gestaltprägende Maßnahme von Land, Kommunen und ihren Gesellschaften sowie von gemeinwohlorientierten Institutionen wird in einem transparenten Verfahren ausgelobt, das die berufsständischen Kammern als qualitätssichernde Organe einbindet, Entscheidungen nachvollziehbar dokumentiert und offenlegt. Aufgabenstellung, Bewertungskriterien und Jurybegründung gehören ins Licht der Öffentlichkeit; Ausstellungen, digitale Präsentationen und Bürgerdialoge werden Teil des Prozesses. Ganzheitlich gedachte Architekturen, kluge Umnutzungen, robuste Konstruktionen, klimaschonende Materialwahl, sparsamer Energie- und Flächenverbrauch, soziale und barrierefreie Nutzung sind Qualitäten, die unser Land dringend braucht. Sie werden im Wettbewerb explizit bewertet und in der Umsetzung konsequent gesichert.
Wir haben keine Zeit, keine Zeit zu haben. Wettbewerbe schaffen frühzeitig Klarheit für alle Beteiligten und vermeiden Verzögerungen im späteren Prozess. Sie geben der Diskussion Struktur, verhindern Fehlplanungen und sorgen für Verbindlichkeit. Dafür braucht es faire Rahmenbedingungen; Bearbeitungszeiten müssen der Aufgabe entsprechen, Preisgelder und Aufwandsentschädigungen den Ressourceneinsatz abbilden. Eignungskriterien sind so zu gestalten, dass auch junge und kleinere Büros eine realistische Chance erhalten Ideen einzubringen. Dies gelingt durch offene Verfahren, qualifizierte Teilnahmewettbewerbe und, wo sinnvoll, Losanteile. Nach der Entscheidung des Preisgerichts erfolgt der Zuschlag qualitätsorientiert und vergaberechtskonform; die beste Lösung soll umgesetzt werden.
Das Bündnis für Qualität übernimmt Verantwortung. Wir wählen früh das passende Verfahren aus und schaffen Klarheit in Aufgaben und Erwartungen. Wir bringen uns in Jurys und Vorprüfungen ein, formulieren präzise Auslobungen und achten auf faire, transparente und RPW-konforme Abläufe. Ergebnisse machen wir in Ausstellungen und Veröffentlichungen sichtbar und öffnen somit Räume für Dialog und offene Gespräche. Baukultur darf kein reines Expertenthema bleiben, sondern muss gemeinsame Aufgabe und öffentliches Versprechen sein.
Das Bündnis für Qualität braucht viele. Ministerien und Landesbetriebe, kommunale Verwaltungen und Wohnungsunternehmen, Hochschulen, Schul- und Klinikträger, Kirchen, Stiftungen, Genossenschaften und die Breite der Gesellschaft. Wenn wir unsere Vorhaben planvoll bündeln und jährlich Wettbewerbsprogramme aufstellen, wenn wir Preisgerichte paritätisch und interdisziplinär besetzen, wenn wir die Öffentlichkeit einladen mitzudenken, dann wird Thüringen zu einem beispielhaften Labor guter Lösungen – vom sorgsamen Umbau im ländlichen Raum bis zum zukunftsfähigen Quartier in der Stadt.
Bauen prägt Generationen. Deshalb verdient jede Aufgabe den besten Entwurf, der im offenen Vergleich, unter fairen Bedingungen und mit klaren Maßstäben entsteht. Schließen wir uns zusammen. Für Transparenz. Für Exzellenz. Für tragfähige Entscheidungen. In Thüringen und darüber hinaus.
Bauen wir Zukunft – im Wettbewerb!